By Tuxyso (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons By Tuxyso (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Wer bin ich?

Original eines Ratekolumnentextes für THEO. Katholisches Magazin. Ausgab 01 | 2013

Reichtum drückt sich in vielfältig aus: In Geld, Kunst, Land oder in Kindern. Wenn man so will, bin ich in einer sehr reichen Familie aufgewachsen. Als zweites von elf Geschwistern auf dem Land. Fruchtbare Erde, soweit das Auge reicht. Bis zum Horizont, dahinter mäandert der Niederrhein bei Goch und verheißt Hoffnung: auf klares Wassers und das weite Meer. Kein Wunder, dass uns Menschen hier eine Art von Beseeltheit nachgesagt wird und eine feine Melancholie. Manchmal sogar eine derb-direkte Ausgelassenheit. Kartoffeln wachsen hier besonders gut, genossen wird ohne großes Gerede. So habe ich es mein ganzes Leben gehalten. Immer im Dienste des Höchsten, meiner Quelle, tief verwurzelt im katholischen Glauben und innigst verbunden mit ehrlicher Arbeit am Menschen. Denn wer den Seelenacker fruchtbar machen will, darf keine Mühe scheuen, bei jedem Wind und Wetter muss er raus aufs Feld, um die Erdparadiesäpfel prächtig gedeihen zu lassen.
Seit meiner Schulausbildung auf dem Collegium Augustinianum Gaesdonck begleitet mich mein Ruf, ein harter Hund des Herrn zu sein: fordernd zu sich selbst und anderen. Dabei habe ich immer nur gewissenhaft gearbeitet, die mir anvertrauten Seelen für Gott bereit gemacht, und das in einer Zeit, in der den Menschen mehr und mehr ein Licht aufgehen sollte, mehr durch Elektrizität denn durch Kerzenschein.
Nun gut, der Herr wird mich nicht ohne Grund in einer Zeit des technischen Fortschritts und der erwachsenden Nationalstaaten mit dem Gebetsapostalat betraut haben, hier oben in der Diözese Münster zwischen Niederrhein und Westfalen. Raue Zeiten erfordern klare Bekenntnisse. Und als der Kulturkampf Bismarcks uns Katholiken ins Mark traf, ließ ich meine Lehrtätigkeit am St.Georg-Gymnasium in Bocholt ruhen und entschied mich ganz für den Dienst am und im Herzen Jesu. Meine Monatszeitschrift „Der kleine Herz Jesu Bote“ gewann rasch eine große Leserschaft. Doch jahrelang sollte mein größter Traum, die Gründung eines Deutschen Missionshauses, unerfüllt bleiben. Ich schrieb und schrieb, wartete und wartete. Bis mir dünkte, dass ich es selbst war, auf den ich und wohl auch Gott gewartet hatten: »Der Herr fordert unseren Glauben heraus, etwas Neues zu verwirklichen, gerade weil so vieles innerhalb der Kirche zusammenbricht.«
Mit dem Segen einiger Bischöfe begann ich Geld für das Projekt zu sammeln und einen Ort für mein neues Zentrum zu suchen. 1875 kaufte ich im holländischen Styl direkt hinter der deutschen Grenze ein kleines Gasthaus und gründete die Gesellschaft des Göttlichen Wortes. Recht bescheiden waren unsere Lebensumstände, doch das sollte unser großes Ziel nicht trüben: die internationale Verkündigung und Mission. Schon 1879 brachen die ersten Missionare nach China auf, und die hauseigene Druckerei für unsere Publikationen zog rasch viele junge Männer ins Styler Gasthaus. Sie alle wollten Teil einer lebendigen Bewegung werden, die die frohe Botschaft im Gepäck hat und auf die modernsten Kommunikationsmittel setzt. So wuchsen wir als Gemeinschaft, und Gott schien uns stets gewogen zu sein. Denn selbst unmöglich scheinende Dinge wie die Gründung eines neuen Missionshauses in Österreich und die Umwandlung der Styler Gemeinschaft in eine Ordensgemeinschaft gelangen innerhalb kürzester Zeit. Selbst die ins Leben gerufene, eher praktisch arbeitende Frauenkongregation, die Dienerinnen des Heiligen Geistes, funktionierte! Und dann war noch die Gründung einer der Kontemplation verschriebenen Frauengemeinschaft,die Dienerinnen des Heiligen Geistes von der ewigen Anbetung (auch »Rosa Schwestern« genannt) möglich. Als mein Körper 1909 im Spätherbst eines untergehenden Alten Europas in die Furchen meines geliebten Niederrheinackers gelegt wurde, ahnte ich nicht, dass meinen Bemühungen dauerhaft eine reiche Fruchternte beschert werden würde. Im 21. Jahrhundert würde unsere Kongregation zu den wichtigsten Missionsgemeinschaften der katholischen Kirche zählen. Ich habe einfach unserer bedingungslosen Arbeit vertraut. Und Gott.

Wer bin ich?

Foto: (c) By Tuxyso (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons