türkis von Claude Renault (Crop applied by uploader) (http://www.flickr.com/photos/clodreno/105191127/) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Ein starkes Stück

Original einer Buchbesprechung für THEO. Katholisches Magazin. Ausgab 01 | 2013

Der Kapuziner Dr. Ludger Schulte war lange Zeit verantwortlich für die Ausbildung jüngerer Mitbrüder. Doch seine Botschaften für ein starkes Leben im 21. Jahrhundert fordern alle Christen heraus: »Verlasst endlich das Stadium des Dauerdiskurses und wagt den entschiedenen Qualitätssprung im eigenen Leben!« Und so begleitet er vor allem wahrhaft Suchende. Sein neues Buch setzt ein Ausrufezeichen unter den Sinnsuchediskurs verzagter Christen in der Spätmoderne.

Ein einfacher Zeitgenosse ist Ludger Schulte nicht: »Gegen den Strich bürsten« ist sein persönliches Lebensmotto auf dem Weg zur lebendigen Quelle des Lebens, die aus dem starken Fels einer Kirche im Selbstbewusstsein des Glaubens entspringt. Dazu wählt er starke spirituelle Borsten, die den warmen Filz der Glaubenskomfortzone, in der es sich viele gemütlich gemacht haben, durchkämmen und durchlässig machen für die klare Luft eines erfrischenden Christentums im 21. Jahrhundert: »Führt euer Leben am Rande eures eigenen Vermögens. Und überwindet euch selbst. Jeden Tag.« Das verstört. Sowohl Menschen, denen Christus noch nie etwas zu sagen hatte, als auch den normalen Sonntagskirchgänger, für den die Botschaft mit dem Herunterbeten des Psalmgebetes erfüllt ist. Aber Schulte liebt Christus. Und Schulte liebt das Leben. Vielleicht ist der Franziskusmann deshalb so unerbittlich im Aufspüren unserer modernen Selbstverhinderungsmechanismen, die uns im »Einfach-so-leben« gefangen und vom »Entschieden-anders-leben« abhalten. Weil er unser Lebenspotenzial in Beliebigkeit, spiritueller Selbstverliebtheit, und Karrierewahn verkümmern sieht. Und das muss traurig machen, und manchmal auch wütend. Seine Trilogie über ein gelingendes Christsein in der aktuellen Zeit wagt scheinbar Ungeheuerliches. Sie stellt sich dem Realitycheck der Moderne: »Was nutzt es mir heute, Christ zu sein?« Und sie gewinnt.
Denn durch das Loslassen gelehrter Glaubensstatik, die dem Leben ausweicht, und rein äußerlich mitgeschleppter Glaubenswahrheiten gewinnen Schulte und der Leser am Rande ihres eigenen christlichen Vorstellungsvermögens vor allem im Abschlussband Leben ist mehr als Machen eine neue Sicht auf das Leben in der Grenzerfahrung mit Gott und dadurch eine neue Gelassenheit: Lebenskunst auf höchstem christlichen Niveau. In sieben Kapiteln nimmt der Autor die modernen Sinn- und Christussucher auf eine Reise in die Tiefen des Glaubens und zeigt auf, dass alles, was wir vergeblich im Alltag, in Ratgebern und anderen Religionen suchten, im Christentum auf Entfaltung wartet. Seit Anbeginn: Lebenskunst, Weisheit, Vergebung und Kontemplation. »Bevor du Gott suchst, hat er dich schon gesucht.«
Das Resultat: Die Angst vor dem Neuen zerbröselt mit dem alten Ich von Gestern und macht Platz für einen neuen Morgen. Damit leistet Ludger Schulte genau die Art von Evangelisierung, von der erst kürzlich der Essener Bischof Franz-Josef Oberbeck weissagte, sie werde eine völlig neue Kirche schaffen, die nichts mehr mit der sozialen Lebenswelt der Fünfzigerjahre zu tun haben werde, und die Papst Benedikt XVI. als Kernerarbeit einer kreativen Minderheit umschreibt.
Leben ist mehr als Machen ist sowohl eine Streitschrift wider den modern-pragmatischen Effizienzglauben eines entchristlichten Lebensentwurfes als auch gegen einen Kuschelglauben, der sich vor der Berührung mit dem Leben, der Wahrheit und damit Christus sträubt: Weil dies die Aufgabe des Alten und die Hingabe an die Menschwerdung, das Offensein für Überraschungen bedeuten würde.
Da ist sich Ludger Schulte sicher. Denn er selbst hat mit dieser Trilogie den Anfang für das Ende seines eigenen alten Ichs gemacht und so begonnen, andere mitzuverändern.
Ein starkes Stück. //

 

Pater Ludger geht auf Lesereise durch Deutschland

17.03. 2013, 16.30 Uhr
Münster. Effata, St. Martini Münster
Buchresonazen

12.04.2013, 19.30 Uhr
Hambrücken (bei Karlsruhe) im Nacht Café
Buchvorstellung mit Jazz und Publikumsgespräch

17.04. 2013, 19.30 Uhr
Berlin. St. Ludwig Wilmersdorf
“Mehr als eine Buchvorstellung”. Ein Gespräch über Glaube, Leben und spirituelle
Suche in der Gegenwart mit Esther Maria Magnis (Buchautorin von:
“Gott braucht dich nicht. Eine Bekehrung, 2012), P. Ludger Schulte
OFMCap und Sven Schlebes (Theo-Magazin)

 23.04.2013
Frankfurt. City-Kloster Liebfrauen
Glaube zum Leben. Buchlesung mit den Schauspielern Ferdinand Stahl und Picco von
Grothe, mit Einführung vom Autor

16. Mai 2013, 20 Uhr
Düsseldorfer Max-Haus
Thema: Gelassenheit. Christliche gesehen. Vortrag mit Buchvorstellung

06.11.2013, 19.30 Uhr
Emsdetten. Strotmanns-Fabrik.
Lesung mit Musik und Publikumsgespräch

 

Ludger Schulte
Weil Leben mehr als Machen ist.
Von der anderen Kraft des Glaubens.
Patmos Verlag 2013.
14,99 EUR