664px-Monument_barbarossa (C) Ijon Tichy, Wikipedia

Tell me nothing from the horse

Liebe ist der Grund, weswegen ich hier stehe.
Verwundert? Fucking kitschig?
Losgegangen bin ich, weil ich Geschichten gehört habe.
Große Geschichten.
Von Helden. Achilles, Sokrates, Alexander, Bismarck.
In ihnen habe ich mich wiedererkannt.
Große Männer.
Große Geschichten.
Große Gefühle.
Sehr wahr, sehr stark, sehr mächtig.
Ach ja. Und James Bond natürlich. The mover and shaker schlechthin.
Den fand aber meine Therapeutin scheiße.
Und darauf hin ich sie.
Ein entscheidender Punkt. Den ich jetzt weiter verfolge. 10 Jahre später.
Und dann gab es Männer, die waren faszinierend, weil sie das ganze Gegenteil davon waren.
Diogenes. Franziskus. Jesus Christus. Drukpa Kunleg.
Die habe ich nicht verstanden. Und daher haben sie mich fasziniert. Faszinieren sie mich immer noch.
Sind sie doch frei. Frei von den Herren der ersten Gruppe.
An beiden habe ich gehangen.
Hänge ich immer noch.
An beiden Gruppen.
Sie sind stark, und sie sind radikal. Bis zum Schluss.
Als wir im Kino irgendwann einmal NAPOLA ansahen, Freunde und ich.
Da rief einer von hinten: „Schlebes, die sehen aus wie du.“
Und es stimmte.
Sie sahen nicht nur aus wie ich, die Elven des ewigen Reiches. Ich wäre Teil ihrer Gruppe gewesen.
Vorne rechts. Besonders eitel. Besonders fleissig. Besonders stolz.
Teil einer materiellen Macht und einer spirituellen.
Dass es eine schwarze Macht gewesen wäre, das hätte ich zu spät gemerkt.
Wissen kann ich es nicht. Aber ahnen. Dumpf.
Gnade der Spätgeborenen.
Die ersten Jahre lief ich den Herren erster Gruppe hinterher.
Die Großen habe ich nicht getroffen. Nur welche, die Büsten von ihnen auf Schreibtischen hatten.
Und glaubten, in deren Namen zu handeln.
Aber es war nicht der Glanz der Geschichten, den ich hier traf, sondern den Staub des Alltags.
Alltägliche Menschen mit alltäglichen Begabungen und alltäglichen Handlungen.
Alles „ganz normal“.
Aber mit dem Bewusstsein, besonders zu sein.
Dann habe ich mich auf den Weg gemacht, die zweite Gruppe kennenzulernen.
Sie schien stärker zu sein. Mächtiger.
Doch ihre Macht ist die Ohnmacht. Zumindest auf dem Weg.
Sie verzichten auf Macht, damit Liebe und Erkenntnis einziehen können.
Freiheit.
Und bekamen danach Macht. Als Bonusgeschenk sozusagen. Auch wenn es dann das letzte war, was sie haben wollten.
Ich habe versucht, Menschen zu treffen, die ihnen nachfolgen.
Und da habe ich noch komischere Menschen getroffen als auf meinem ersten Weg.
Hier war der Selbstbetrug meist noch größer als bei der anderen Gruppe.
Weil sie eigentlich zur ersten Gruppe gehörten, aber mächtiger sein wollten und es aber nicht wurden.
Und daran verbitterten.
Ok.
Beide Wege bin ich gegangen und stehe wieder an einer Kreuzung.
Wäre jetzt mal mein Weg dran.
Den ohne Vorbilder und Vorgeschichten.
Jetzt ist es passiert.
Ich bin raus.